Dienstag, 20. September 2011

Kunst aus Müll

Guten Abend,
ich bin grad ziemlich erschöpft, da ich heute bis um halb 9 im Institut war, weil wir zusammen mit den Franzosen einen Umweltwettbewerb veranstaltet haben, wo kleine und grosse Kinder aus Müll ein Kunstwerk basteln sollten, um auf die Umweltproblematik aufmerksam zu machen. An und für sich eine tolle Sache, nur leider ist Kira, meiner Betreuerin, ein kleeeiner Fehler unterlaufen, indem sie statt 300x300 mm 300x300 CM auf die Flyer gedruckt hat - und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, zu welch atemberaubenden Projekten dieses Missgeschick die Kinder angetrieben hat. Anfangs war's ja noch lustig, das Kira's ganzes Büro mit grossen Kartons voller Kunstwerke vollzustellen (und sogar Frau Frankenberg, ST-Leiterin, hat Besuch von Paul, der menschengrossen Riesenkrake bekommen), aber als es dann an's auspacken ging, verging mir der Spass.
Es waren sage und schreibe 95 Kisten, die ich auspacken musste. Wobei nein, zuerst musste ich alle Namen auf eine Liste schreiben und Etiketten drucken, um die Dinger anzuschreiben.
Das Russische hat wie das Deutsche auch eine Schnürlischrift, und meine Faulheit, diese gründlich zu lernen, hat sich letzte Woche definitiv gerächt! Mein Gott, für mich sieht einfach alles nach viel Kringelkrungel aus... Jedenfalls, nachdem ich einen halben Tag lang auf dem Boden herumgekrochen bin um die Namen all der Nataschas und Nikitas aufzunehmen (Praktikantin halt:-P), mussten wir nun heute alle "Kunstwerke" auspacken und ausstellen, damit eine Schüriii (deutsche Betonung bitte!:P) kurz durchspazieren und 4 Gewinner auswählen konnten.
Das war aber noch immer nicht das Schlimmste. Denn das kommt jetzt: Alles wieder in Kisten verpacken, so dass sie Morgen ins Kinotheater gefahren werden können, wo übers Wochenende die Preisverleihung und Ausstellung stattfindet. Furchtbar ineffektiv. Und die Hälfte der Kunstwerke hat Etikette verloren - ein einziges grosses Durcheinander.
Ich wusste genau, wie man das ganze 3 Mal einfacher hätte machen können, aber ich habe schon gelernt, dass man als Praktikantin nicht zu viel denken sollte und bin darum ganzganz ruhig geblieben und habe alles so falsch gemacht, wie sie es wollten (naja gut, die Namen hätten sie gerne richtig gehabt, nehme ich an:-P)
Kira hat mich gefragt, ob in Deutschland wohl auch so viele Kinder teilgenommen hätten - denke nicht. Ich weiss nicht, aber irgendwie hatten die Arbeiten einen sovjetischen Touch. Habe ich natürlich nicht gesagt. Aber irgendwie habe ich schon das Gefühl, dass dieses Wettbewerbsdenken daher kommt..

Dafür war's gestern Abend nett. Dimitrij hatte Geburtstag, und wir haben Kuchen und Eis gegessen und eine Flasche Martini getrunken. Danach war's endlich schön warm (die Heizung läuft noch nicht, und meine Decke ist dünn:-/). In der Gastfamilie fühle ich mich noch immer ausserordentlich wohl.

Ja. Von den 20 Bräuten und dem Bären und Katja erzähle ich morgen. Oder übermorgen:-)
Liebe Grüsse und danke für alle Mails und Kommentare, ich schreibe euch so bald wie möglich, aber jetzt muss ich erst mal schlafen:-) xxx

Donnerstag, 15. September 2011

ещё раз Питер

Дорогие,

ich schreibe auch aus meinem Zimmer im Zentrum des Zentrums von St. Petersburg, wie es gar nicht besser sein kann! Meine Gastfamilie wohnt gerade mal eine Seitenstrasse vom Nevskij (vergleichbar mit Bahnhofsstrasse (oder meinetwegen auch Multergasse :D) entfernt; ich erreiche meinen Arbeitsort zu Fuss in etwa 20 min. und ich bin umgeben von Schuhläden, tollen Hotels und einem 24h-Einkaufszentrum und einem Sportzentrum.
Die Wohnung lässt sich am besten mit unbeschreiblich beschreiben. Um trotzdem einen Versuch zu wagen und euch eine Ahnung zu geben: Es herrscht totales Durcheinander. Mein Gastbruder versucht (!) sich überall gleichzeitig als Renovateur. Als ich ankam, gab's keine Türe zum Badezimmer. In der Küche findet man keine freie Abstellfläche. Das Wasser zum Duschen wird direkt mit Gas aufgeheizt (NOCH schlimmer als die Duschen in Irland!!). Alles liegt unter einer Staubschicht begraben (als Ludmilla mir die Wohnung zeigte, hat sie ständig mit dem Finger einen Strich in den Staub gezeichnet und sich entschuldigt, dass sie noch keine Zeit zum Putzen hatte). In meinem Zimmer steht ein Radion von 1930. Meine Nachttischlampe stammt aus der gleichen Zeit. Und es ist so furchtbar gemütlich. Ich fühle mich total wohl und ich lache mit, wenn die Mayonnaise auf den Boden tropft und niemand sie aufwischt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich in einer derartigen Wohnung wohl fühlen könnte, aber das Durcheinander ist irgendwie so sympathisch und kreativ, passt einfach. (Ich habe trotzdem alle Schubladen gereinigt, bevor ich meine Sachen reingelegt habe:-)

Meine Gastmutter Ludmilla arbeitet als Psychotherapeutin und füttert mich regelmässig (obwohl wir ausgemacht hatten, dass ich mein Essen selber besorge). Sie ist total nett, spricht geduldig russisch mit mir und kümmert sich wirklich gut um mich.
Mein Gastbruder ist etwa 27, spricht prima englisch und ist überzeugt, dass die kaukasischen Muslime für sämtliche Probleme auf dieser Welt (oder zumindest in Russland) verantwortlich sind. Da ich jedoch weder das eine noch das andere bin, behandelt er mich sehr zuvorkommend. Er hat mich sogar auf ein Konzert eingeladen: http://www.youtube.com/watch?v=V64ZDzy3X4w&feature=related . Ääääh ja, ich habe noch nicht defintiv zugesagt, haha. (Seine Freundin habe ich übrigens auch schon kennen gelernt;-)

Die Leute am Goethe Institut sind auch super, jedenfalls diejenigen, mit denen ich zu tun habe. Kira, meine Betreuerin oder so was, ist sehr locker und sympathisch, sie ist schön jung und sie spielt sich auch keineswegs auf. Besonders erfreut bin ich über die anderen zwei Praktikantinnen, wir hatten bereits heute schon so viel Spass und sind total auf der gleichen Wellenlänge. Wir haben auch schon Pläne für's Wochenende und mir wird's bestimmt nicht langweilig. Und mein Hochdeutsch geht mir auch schon viel flüssiger von der Zunge als heute Morgen.
Was ich heute gemacht habe: 1000 Leute und Räume kennen gelernt und alles wieder vergessen; ein Quiz über Deutschland zusammengestellt; eine Filminhaltsangabe gekürzt und zum Kinoabend eingeladen; mir Fragen über Til Schweiger überlegt; die "Teestunde" mit den andern zwei Praktikantinnen abgehalten (dort können die Studenten des GI vorbeikommen und mit uns auf Deutsch über dies und das Quatschen); einen Apéro aufgebaut; an der Eröffnung einer Comicausstellung teilgenommen (po russki); Apéro aufgeräumt, viel Kuchen gegessen, Sekt getrunken; in den Klassen die Teestunde promotet... und dann war Gott sei Dank Feierabend. War anstrengend, aber mir gefällt es sehr gut. Früh aufstehen muss ich nicht - kann zwischen 9.30 und 10.00 anfangen zu arbeiten:-)

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in mein Leben hier geben. Ich werde von Zeit von Zeit ein Update hochschalten - sollte sich was Spannendes ergeben. Wie immer freue ich mich über jegliche Lebenszeichen eurerseits (Skype!Skype!Skype! meine Internetverbindung ist TOP!:D) und danke recht herzlich für's Intresse!

Mit den allerliebsten Grüssen,
Ursina

Dienstag, 23. Juni 2009

wuschschschsch...

Привет!
aaalso, bin grad voooll im stress, aber wollte noch ein paar dinge loswerden!
1. vielen dank für all die glückwünsche, ich hatte einen wunderwunderschönen geburtstag inkl. überraschungspizzaessen mit sozusagen allen leuten, die ich hier in perm kenne :D
2. letztes wochenende war ich in einem dorf, irgendwo sehrsehr weit im norden von perm, war zwar nicht wunderschön, aber dafür eindrücklich. bilder folgen!
3. der grund für meine eile: muss morgen um 4 uhr aufstehen, weil ich's schon wieder wissen will und mich mal wieder für 5 tage in einen russischen wald stürzen werde... was da genau passieren wird weiss ich leider nicht, weil niemand der je dort in diesem lager war etwas darüber sagen darf... tja, da kann man ja nicht anders als sich überraschen lassen:-D freue mich mega! das heisst aber auch dass das mein allerletzter tag in perm war (zumindes für diesen sommer:-D) und ich schon ein bisschen traurig darüber bin aber ich sollte ja jetzt langsam schlafen gehen, sonst mag ich dann den sibirischen wölfen nicht davonrennen:-P

küsschen und ebe, am sunntig obig bini zrugg und am mentig morge am 6 flügi denn au scho ab....................

Donnerstag, 18. Juni 2009

Boattrip (12.-14. Juni)

Nur noch 10 Tage, und ich bin wieder zurück in der Schweiz… Die Zeit vergeht so schnell, unglaublich. Es gefällt mir inzwischen echt gut hier, trotz staubigen Strassen, dreckigem Haus und allgemein eher weniger Komfort. Ich habe das „Lagerhausleben“ wirklich schätzen gelernt, so viele tolle Leute getroffen und Russland aus verschiedenen Perspektiven erlebt – letztes Wochenende sogar aus der „Bootsperspektive“.

Ich hatte nämlich das Glück, mit einer Jugendgruppe hier mit auf einen Boattrip gehen zu können. Wir haben uns Freitag um 4 Uhr morgens getroffen und sind dann mit 2 Minibussen etwa 3 Stunden irgendwo in die Pampa gefahren – keeeine Ahnung, wo wir gelandet sind und die langen Namen der Dörfer konnte ich mir sowieso nicht merken:-P
Die ersten 2 Tage waren extrem friedlich, habe viiielvielviel Wald gesehen, das schöne Wetter genossen und versucht, die russischen Gespräche um mich herum zu verstehen (oder wenigstens, wovon sie sprachen:-P) Aber die meisten waren Studenten und sprachen sehr gut Englisch oder sogar ein bisschen Deutsch. Eine schon etwas ältere Frau auf meinem Boot sprach jedoch kein Englisch, und sie war sooo geduldig und hat mit mir endlose Gespräche über alles mögliche geführt – habe echt davon profitieren können und war immer wieder lustig, auf welchen Umwegen wir mit Umschreiben und Pantomime schlussendlich auf den gesuchten Begriff gekommen sind…Das Essen war nicht unbedingt schmackhaft, aber russisch (viele Köhl-Gurken-Tomatensalate mit Mayonnaise, Fischsandwich, Kascha mit Dosenfleisch….) und „natürlich“. Das Wasser haben sie einfach aus dem Fluss genommen und abgekocht – hat auch mit vielen Teebeuteln noch nach Erde geschmeckt:-P Aber was will man machen, und umgebracht hat es mich auch nicht… Übernachtet haben wir in Zelten.
Am Samstagabend war es dann vorbei mit der Idylle. Ein starker Regen hat uns alle total durchnässt und wir fanden erst um 11 Uhr einen Platz zum Übernachten. War noch recht speziell während diesen kalten, nassen Stunden auf dem Boot, habe sooo komische Dinge angefangen zu denken und mir nur immer wieder gesagt: Egal was noch alles passiert, du wirst nicht daran sterben und irgendwann wird es wieder besser… Und es wurde wieder besser! Habe mich noch nie in meinem Leben so sehr auf ein Lagerfeuer gefreut und war so schön, um das Feuer herumzustehen, warm und trocken zu werden und über die furchtbaren letzten Stunden zu lachen. Am nächsten Morgen war es immer noch durchzogen, aber wir erreichten bereits am Nachmittag unser Ziel, daher war es okay.
War wirklich ein suuuuuper Wochenende, zwar nicht immer sehr lustig, aber allemal eine Erfahrung wert! War schon ein bisschen komisch, nach 3 Tagen Wald und Fluss wieder in die Zivilisation zurück zu kommen, und ich hatte echt Mitleid mit den Leuten, die mit uns im Zug und Bus mitfahren mussten;-)

Inzwischen bin ich wieder sauber und habe nicht Mal eine Erkältung davongetragen, dafür erinnern mich unzählige Mückenstiche noch schön an mein Abenteuer:-P



Auf der Base von Jugend mit einer Mission gibt es nicht mehr viel zu tun, weil die meisten Ministries Sommerpause haben. Aber mir ist trotzdem nie langweilig, ich geniesse einfach das schöne Wetter und die Zeit mit meinen neuen Bekanntschaften. Gestern war ich beispielsweise bei einer australischen Missionarsfamilie eingeladen (die haben einen klasse Humor, aber ihr Englisch ist ein bisschen tricky;-), und morgen gibt’s Barbecue an einem FlussJ Hoffe euch geht’s auch allen gut! Mega liebe Gruess und danke fürs Interesse… xxx

Sonntag, 7. Juni 2009

FAQ: What do you do in Perm?!

Dobri wietscher! Jetzt sind schon mehr als 168 Stunden seit meiner Ankunft hier in Perm vergangen – Zeit für einen kleinen Wochenüberblick, um euch einen Einblick in meinen Alltag hier zu geben:

Mittwoch
Hausbesuche bei einigen Familien in der Nachbarschaft, um die Kinder für den Kids Club einzuladen, Lebensmittel zu bringen und Kontakte zu pflegen. Obwohl ich hauptsächlich einfach den 2 Mitarbeitern hinterhergelaufen bin, habe ich Einblicke in eine Welt bekommen, wie ich sie noch nie gesehen habe. Es gab zwar auch gemütliche, aufgeräumte Wohnungen, aber in andern ist die Armut wirklich greifbar. Hat mich als verwöhnte Schweizerin ziemlich mitgenommen....

Donnerstag
Am Morgen war ich auf dem Markt in der Nachbarschaft – die Lebensmittel sind so billig! Am Nachmittag wäre Kids Club gewesen, aber kein einziges Kid ist erschienen… Möglicherweise, weil gerade Schulferien sind und die meisten Kinder in einem Camp sind. Schade, hätte mich gefreut, die Kinder zu sehen… Nun ja gut, haben die Würstchen halt selber gegessen, Volleyball gespielt und einfach das schöne Wetter genossen. Am Abend Besuch von Marianne (eine Schweizer Mitarbeiterin) und ihrer russischen Freundin, wir haben Pizza gegessen und dann noch einen laaangen Spaziergang gemacht. Dabei sind wir auf 3 vielleicht etwa 11-jährige gestossen, die offensichtlich betrunken waren… War grad ein bisschen sprachlos. Aber sie kriegen’s von den Erwachsenen auch nicht besser vorgelebt. Und das erste, was einem beim Betreten eines Ladens ins Auge sticht, ist Bier und Wodka, und vor der Kasse hat’s auch nochmals ein Gestell, damit man den Alkohol auch wirklich nicht vergisst…

Freitag.
Habe meine Zimmermitbewohnerin (Galia) auf ein öffentliches Amt begleitet, um ein bisschen Bürokratie-Luft zu schnuppern… die haben ja genug davon:-P Schlussendlich sind es dann 3 Ämter geworden, dazwischen noch ein bisschen Shopping auf dem Zentralmarkt und Zeit für Kebab (für knapp 2 Franken…). Das heisse Wetter und das viele Warten in den stickigen Büros hat uns so müde gemacht, deshalb sind wir nur noch kurz an die Gebetsnacht am Abend. Eine Gruppe ist nun für einen Monat in einem Dorf irgendwo, hoffe sehr, dass ich noch für ein Wochenende vorbeigehen kann. Ist nochmals ein „anderes“ Russland.

Samstag
Kids Club am Nachmittag. Diesmal sind viele Kinder gekommen, 4 davon haben sich jedoch so blöd benommen, dass sie ziemlich bald wieder nach Hause geschickt wurden. Als Begrüssung gab’s Nutella-Brötchen mit Gummibärchen drauf – wie gesund. Dann wurden die Regeln für den Nachmittag abgemacht und für diejenigen, welche die Hausaufgaben gemacht hatten oder Bibelverse auswendig wussten, gab es eine Plakette, die sie auf ihr „Schild“ kleben konnten. Anschliessend haben wir einige Spiele gemacht – von mir organisiert :D Nachdem die Kinder schön ausgetobt waren, sprachen wir über Zukunftsträume und wie Süchte und Abhängigkeiten diese zerstören können und zu guter Letzt gingen wir in den „Garten“, wo wir zusammen Würstchen brieten und Cola tranken (wieder so gesund…) Einige der Kinder trugen alte T-Shirts mit Löchern drin und Hosen, die bestimmt schon 2 Monate keine Waschmaschine mehr gesehen hatten. Am liebsten möchte man diese Kinder in den Arm nehmen und ihnen sagen, dass sie wunderbar sind – glaube nicht, dass sie das zu Hause oft zu hören bekommen. Ich kenne zwar ihre Geschichten nicht genau, aber Gewalt, Alkohol und zerbrochene Familien sind nicht gerade selten. Ich hoffe so fest, dass sie das, was sie im Kids Club hören, nicht vergessen, wenn sie älter werden und mit all den Versuchungen und Problemen konfrontiert werden; dass sie etwas aus ihrem Leben machen und nicht dem schlechten Beispiel ihrer Eltern und Freunden folgen. Ist wirklich eine wertvolle Arbeit, welche YWAM bzw. King’s Kids hier leistet…

Sonntag
2 Mal Gottesdienst, viele Leute getroffen, Glace gegessen und das schöne Wetter genossen. Und das 1. Mal alleine Bus gefahren;-) Oh ja, und das Beste: Hier fahren lauter ausrangierte Busse aus Deutschland, der Schweiz usw. herum... und heute ist ein altes Postauto vorbeigefahren, mit der Aufschrift: St. Gallen-Appenzell... bin fast in Ohnmacht gefallen als ich das gesehen habe, hihi.

Dienstag, 2. Juni 2009

Dienstag, 2. Juni

Liebe alle, die ihr vielleicht gehofft (oder befürchtet) habt, klein Ursina würde eine tüchtige russische Missionarin werden: VERGESST’S! Ich bin nicht für dieses Feriencamp-Leben geschaffen und will einfach nur mein eigenes Zimmer, meine eigene Küche und mein eigenes Bad. Ich will keinen kalten Aufenthaltsraum mit durchgesessenen Sofas und keine Teller mit Frühstücksresten des Vorgängers daran. Ich will Privatsphäre und Sauberkeit. Nicht, dass ich das nicht vorher schon gewusst hätte… wollte das nur Mal klarstellen;-) Und keine Angst, ich laufe nicht den ganzen Tag mit einem Lätsch durch die Gegend, aber ich freue mich schon reeeecht auf den 29. Juni……

Alles ist so kalt, ungemütlich und dreckig. Heute war Putzmorgen, sprich: Man wirbelt den ganzen Dreck mit dem Besen auf, klebt ihn mit Mopp und kaltem Wasser anschliessend wieder am Boden fest und last but not least hinterlässt noch jeder YWAM-Arbeiter seine ganz persönliche Signatur in Form von Schuhabdrücken. Konnte mich wirklich nicht entscheiden, ob es nachher oder vorher appetitlicher ausgesehen hat…
Nach dem Putzen gab’s Gebet und Tee und anschliessend bin ich mit einem Russen und einer Kanadiern in ein Hospiz gefahren. Das Auto hättet ihr sehen müssen!! Ausrangierter Militärjeep, erst 9 Jahre alt aber ich hätte schwören können, dass er aus vorsowjetischer Zeit stammt… Zusammen mit den Schlaglöchern gab es eine ziemlich unterhaltsame Fahrt J Für’s Hospiz (bzw. Altersheim) hatte ich mich aufs Schlimmste gefasst gemacht, aber es war dann weniger schlimm als erwartet, allerdings habe ich auch nicht viel von der Station gesehen. Mein Russisch scheint sich ausgezeichnet für Gespräche mit alten Frauen zu eigenen: Kann sie nach ihren Enkelkindern fragen, von meiner Familie erzählen, was ich mache, wo ich schon überall war, was sie doch für schöne Blumen auf dem Nachttisch hat… blablabla. War zwar ein bisschen langweilig, aber immerhin konnte ich ein bisschen Russisch sprechen und musste niemanden füttern (oder schlimmer:-P) Die Krankenschwestern waren sehr unfreundlich, aber ich denke, wird auch nicht gerade ein Traumjob sein, dort zu arbeiten. Die Stimmung war dementsprechend fröhlich und die gefängnishafte Infrastruktur machte es auch nicht besser. Nichts mit Sömmerliferien und Töggelichaschte;-)
Am Nachmittag dann noch eine kurze Sitzung, sollte mir für den Kids Klub am Samstag ein paar Spiele überlegen (Jungschärler, schickt mir Ideen!!)) und Morgen werden wir Familien besuchen und ihnen Essen bringen. Wahnsinnig viel zu tun habe ich nicht, aber ist mir auch gerade recht, sie haben nämlich eine spannende Bibliothek:-)

Und hier noch eine Überlebensanleitung für’s Kaltwasserduschen: Wasser aufkochen, im Becken mit Kaltem mischen und mit einer kleinen Pfanne über den Kopf kippen. Geht gar nicht schlecht, aber entbehrt sich jeglicher Gemütlichkeit… Macht euch auf was gefasst, wenn ich nach Hause komme – werde bestimmt 3 Tage WARME Dusche nehmen, in einen WARMEN Badezimmer wo die Platten festgeklebt und nicht einfach auf den Boden gelegt sind und wo man sich nicht wie in einem Gefängniskerker fühlt:-P

Also gell, nicht dass ihr euch Sorgen machen müsstet, mir geht’s wirklich gut!!! Ist einfach nicht gerade mein Lebenstraum, aber bin ja da um was zu lernen und das mach ich auch:-) Paka….

Sonntag, 31. Mai 2009

PERM

Dear friends. Meine 2 Monate in St. Petersburg sind leider schon vorüber… Durfte die Stadt die letzten Tage nochmals im wunderschönsten Sommerwetter erleben und als ganz besonderen Abschluss haben wir am Freitag in der Nacht eine Bootstour gemacht, um die weissen Nächte zu geniessen und zu sehen, wie die Brücken geöffnet werden. Nun kann ich ja auch endlich sagen, dass ich überhaupt nie irgendeine Art von Problemen mit der Polizei hatte und mich abgesehen von ein paar streunenden Hunden nie bedroht gefühlt habe. Es gab zwar einige unschönen Geschichten von Leuten aus meiner Schule mit illegalen Taxis, aber das kann einem in jeder Stadt passieren und man weiss ja eigentlich auch, dass es wirklich gefährlich ist.

Und nun bin ich eben in Perm, auf der Base von Jugend mit einer Mission. Vom Stadtzentrum habe ich noch nicht viel gesehen, aber der erste Eindruck lässt sich etwa so beschrieben: schäbige Häuser und staubige Strassen mit lustigen Schlaglöchern. Es ist ziemlich ruhig hier, sind eigentlich nur die Mitarbeiter von YWAM im Haus und die sind sehr nett und sprechen eigentlich alle sehr gut Englisch. Die meisten kommen aber aus Russland und Umgebung – meine Zimmermitbewohnerin kommt z.B. aus der Ukraine. Das ganze fühlt sich ein bisschen an wie ein Feriencamp – und als besonderen Thrill gibt es momentan nur kaltes (eeeeeiskaltes) Wasser. Dieses Phänomen gibt es allerdings in ganz Russland; vielleicht denken sie, wenn es draussen so warm ist (haha), braucht man kein Heisswasser…. Naja, ich werde nun also so Duschen und Haarewaschen wie alle hier: Wasser wärmen und dann irgendwie darüber kippen. Ähm ja, werde mich dann melden, wies geklappt hat:-P

Das Reisen selber war ein bisschen stressig, weil mein erster Flug gecancelt wurde und ich daher weniger Zeit in Moskau zum Umsteigen hatte, aber habe Mal wieder die richtigen Leute zur richtigen Zeit kennen gelernt und die haben schön für mich herausgefunden, wo ich hin muss und alles. Und besonders schön fand ich, dass ich mit dem Taxifahrer so eine Art Gespräch hatte (jaa, logisch auf Russisch:-D) und ich habe herausgefunden, dass ich mich - solange ich mich an Themen halte, die wir in der Schule durchgenommen haben – gar nicht soooo sehr blamiere:-P Was auch schön ist, ist, dass es Wörter gibt, die ich verstehe, obwohl ich sie gar nie gelernt habe. Einfach weil ich sie immer wieder höre….

Melde mich bald mal wieder! Mit freundlichen Grüssen
Ihre Russlandkorrespondentin