Donnerstag, 15. September 2011

ещё раз Питер

Дорогие,

ich schreibe auch aus meinem Zimmer im Zentrum des Zentrums von St. Petersburg, wie es gar nicht besser sein kann! Meine Gastfamilie wohnt gerade mal eine Seitenstrasse vom Nevskij (vergleichbar mit Bahnhofsstrasse (oder meinetwegen auch Multergasse :D) entfernt; ich erreiche meinen Arbeitsort zu Fuss in etwa 20 min. und ich bin umgeben von Schuhläden, tollen Hotels und einem 24h-Einkaufszentrum und einem Sportzentrum.
Die Wohnung lässt sich am besten mit unbeschreiblich beschreiben. Um trotzdem einen Versuch zu wagen und euch eine Ahnung zu geben: Es herrscht totales Durcheinander. Mein Gastbruder versucht (!) sich überall gleichzeitig als Renovateur. Als ich ankam, gab's keine Türe zum Badezimmer. In der Küche findet man keine freie Abstellfläche. Das Wasser zum Duschen wird direkt mit Gas aufgeheizt (NOCH schlimmer als die Duschen in Irland!!). Alles liegt unter einer Staubschicht begraben (als Ludmilla mir die Wohnung zeigte, hat sie ständig mit dem Finger einen Strich in den Staub gezeichnet und sich entschuldigt, dass sie noch keine Zeit zum Putzen hatte). In meinem Zimmer steht ein Radion von 1930. Meine Nachttischlampe stammt aus der gleichen Zeit. Und es ist so furchtbar gemütlich. Ich fühle mich total wohl und ich lache mit, wenn die Mayonnaise auf den Boden tropft und niemand sie aufwischt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich in einer derartigen Wohnung wohl fühlen könnte, aber das Durcheinander ist irgendwie so sympathisch und kreativ, passt einfach. (Ich habe trotzdem alle Schubladen gereinigt, bevor ich meine Sachen reingelegt habe:-)

Meine Gastmutter Ludmilla arbeitet als Psychotherapeutin und füttert mich regelmässig (obwohl wir ausgemacht hatten, dass ich mein Essen selber besorge). Sie ist total nett, spricht geduldig russisch mit mir und kümmert sich wirklich gut um mich.
Mein Gastbruder ist etwa 27, spricht prima englisch und ist überzeugt, dass die kaukasischen Muslime für sämtliche Probleme auf dieser Welt (oder zumindest in Russland) verantwortlich sind. Da ich jedoch weder das eine noch das andere bin, behandelt er mich sehr zuvorkommend. Er hat mich sogar auf ein Konzert eingeladen: http://www.youtube.com/watch?v=V64ZDzy3X4w&feature=related . Ääääh ja, ich habe noch nicht defintiv zugesagt, haha. (Seine Freundin habe ich übrigens auch schon kennen gelernt;-)

Die Leute am Goethe Institut sind auch super, jedenfalls diejenigen, mit denen ich zu tun habe. Kira, meine Betreuerin oder so was, ist sehr locker und sympathisch, sie ist schön jung und sie spielt sich auch keineswegs auf. Besonders erfreut bin ich über die anderen zwei Praktikantinnen, wir hatten bereits heute schon so viel Spass und sind total auf der gleichen Wellenlänge. Wir haben auch schon Pläne für's Wochenende und mir wird's bestimmt nicht langweilig. Und mein Hochdeutsch geht mir auch schon viel flüssiger von der Zunge als heute Morgen.
Was ich heute gemacht habe: 1000 Leute und Räume kennen gelernt und alles wieder vergessen; ein Quiz über Deutschland zusammengestellt; eine Filminhaltsangabe gekürzt und zum Kinoabend eingeladen; mir Fragen über Til Schweiger überlegt; die "Teestunde" mit den andern zwei Praktikantinnen abgehalten (dort können die Studenten des GI vorbeikommen und mit uns auf Deutsch über dies und das Quatschen); einen Apéro aufgebaut; an der Eröffnung einer Comicausstellung teilgenommen (po russki); Apéro aufgeräumt, viel Kuchen gegessen, Sekt getrunken; in den Klassen die Teestunde promotet... und dann war Gott sei Dank Feierabend. War anstrengend, aber mir gefällt es sehr gut. Früh aufstehen muss ich nicht - kann zwischen 9.30 und 10.00 anfangen zu arbeiten:-)

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in mein Leben hier geben. Ich werde von Zeit von Zeit ein Update hochschalten - sollte sich was Spannendes ergeben. Wie immer freue ich mich über jegliche Lebenszeichen eurerseits (Skype!Skype!Skype! meine Internetverbindung ist TOP!:D) und danke recht herzlich für's Intresse!

Mit den allerliebsten Grüssen,
Ursina

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